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Live and let die

Was wir im Marketing vom Tod lernen können

Wenn Ihre Firma ein gutes Leben führen soll, sollte der Tod von geliebten Dingen und Projekten seinen Platz haben und nicht unter den Teppich gekehrt werden. Nicht alles kann überleben. Und selbst wenn: Um welchen Preis?

Am Ende eines langen & erfüllten Lebens an Altersschwäche zu sterben wirkt gerecht. Zu früh durch Krankheiten oder Unfälle zu sterben ist jedoch tragisch und grausam. Deshalb denkt niemand wirklich gerne über den Tod nach. Jeden von uns kann es jederzeit zu früh erwischen.

Am Leben bleiben hat dabei natürlich viel mit Glück und Zufall zu tun. Doch ein langes, erfolgreiches Leben ist auch Resultat einer großen Kunstfertigkeit. Ebenso wie das langjährige Führen einer Firma.

Alle großen Denkschulen sind sich jedoch in einer Sache einig: Du kannst das Leben nicht wertschätzen, wenn du dich nicht mit dem Tod auseinandersetzt. Nur wer viel über die Rolle des Todes nachdenkt – oder ihn tragischer Weise hautnah erlebt – kann wirklich verstehen, wie wertvoll und wenig selbstverständlich das Leben ist.

Die Mexikaner haben das verstanden. Sie feiern jedes Jahr den „Tag der Toten“. Sie weinen nicht auf den Friedhöfen des Landes: sie tanzen und lachen. Sie zelebrieren das Leben, indem sie den Tod ans Licht holen.

Und was ist das Leben anderes als ein gewaltiges Projekt? Eines, das dadurch erfolgreicher und am Ende wahrhaftiger wird, dass viele kleinere Projekte und Hoffnungen in seinem Verlauf sterben. Ihr Tod verleiht dem, was überlebt und Realität wird, erst seine besondere Bedeutung.

Dinge sind schöner, wenn man sie teilt

Sunk Cost Fallacy - Wann der Tod die bessere Alternative ist

In Japan gibt es den Begriff „karoshi“: den Tod durch Überarbeitung. Oder übersetzt: das Durchboxen von Projekten bis zur totalen Erschöpfung, egal wie sinnvoll oder sinnlos. Der Tod von Projekten durch Scheitern ist in der japanischen Kultur inakzeptabel.

Wann sollte man also etwas sterben lassen? Was sind die Kriterien? Wann schaltet man bei einem Wachkoma-Patienten mit irreversiblem Hirnschaden die Maschinen ab? Hier gibt es keine objektive Wahrheit, nur eine Kollision moralischer Überzeugungen.

Bei Firmen ist es einfacher. Es geht in den meisten Fällen „nur“ um Geld. Wann ist Ihr Projekt oder Ihr Lead tot? Wann ziehen Sie den Stecker? Sie tun gut daran, den Tod von Projekten oder Leads konkreter und konsequenter zu definieren. Es ist rational und vernünftig früh zu erkennen, wenn etwas keine Überlebenschance hat.

In der Psychologie nennt man das irrationale Gegenteil „Sunk Cost Fallacy“: Je länger Sie in etwas investieren, desto schwerer fällt es, Projekte zu beerdigen wegen der bereits aufgewendeten Mühe. Sie haben 1000€ für einen Kurs bezahlt und merken nach der Hälfte, dass er Ihnen nicht gefällt? Sie beenden ihn trotzdem, weil Sie ja das Geld bezahlt haben. Sie haben Konzertkarten gekauft, haben am Abend des Konzerts aber keine Lust? Sie gehen natürlich trotzdem hin. Dabei ist das Geld ohnehin weg und sollte keine Rolle für Ihre zukünftige Entscheidung spielen. Ihre vergangene Investition verhindert, dass Sie im Hier und Jetzt die klügste Entscheidung für die Zukunft treffen: Ihre Zeit in Dinge investieren, die sinnvoll und erfolgsversprechender sind.

Regeln für richtiges Sterben

Wer sein Leben und sein Arbeiten bereichern will, indem er dem Tod Raum gibt, dem schlage ich ein paar generelle Regeln vor:

  1. Beerdigen Sie richtig. Feiern Sie Ihren eigenen „Tag der Toten“, fernab von Tränen und Orgelmusik. Etablieren Sie eine Kultur, in der der Tod von Projekten nicht dämonisiert wird. Tanzen Sie auf den Gräbern von verlorenen Großkunden und zelebrieren Sie den Tod von Projekten als Teil des Lebens Ihrer Firma.

  2. Stellen Sie Ihre Reanimationsversuche rechtzeitig ein. Wenn Sie immer wieder selbst an die unwahrscheinlichste Wiederbelebung der katatonischsten CRM-Leiche glauben, raubt das Ihre Ressourcen um Neuland zu erobern und reduziert Ihre Lebensqualität durch banges Hoffen. Das Leben ist heilig, aber nicht um jeden Preis.

  3. Gehen Sie regelmäßig zur Vorsorge. Der Tod ist unausweichlich, aber man kann ihn aufschieben, indem man Krankheiten früh diagnostiziert. Stellen Sie Ihre Projekte agil und transparent auf, und stellen Sie frühzeitig im Projektverlauf die richtigen Fragen. Lassen Sie sich nicht von Hypes und vermeintlichen Business-Potentialen den Kopf verdrehen. Regelmäßige CheckUp-Termine sorgen für lange Gesundheit und verhindern einen frühen Tod durch Unachtsamkeit.

Am Ende muss jeder Mensch lernen, mit dem Tod umzugehen und seine Realität zu akzeptieren. Verweigern und Ignorieren macht den Schock, wenn er zuschlägt umso traumatisierender. Es ist daher weise, den Umgang mit dem Sterben bewusster durch Reflektion und Rituale zu trainieren und nicht erst betäubt darauf zu reagieren, wenn es zu spät ist.

Geben Sie dem Tod also eine sichtbarere Rolle. Lassen Sie ihn zu und setzen Sie nicht auf Lebenserhaltung um jeden Preis. Üben Sie das Beerdigen von Projekten, Kundenbeziehungen und Wunschträumen. Entwickeln Sie Praktiken, die den Tod sanfter und selbstverständlicher machen. Sie werden von der resultierenden Wachheit und Konzentration auf das Wesentliche profitieren.

Autor: Christopher Topp

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