Suggestions

Ich stimme zu, dass diese Website Cookies für Analysen und personalisierten Inhalt verwendet. Erfahren Sie mehr
OK

Die Mediterranisierung des Konsums

Wie der Offline-Handel wieder stark wird

Der Wir-kaufen-jeden-Kaugummi-online-Wahn wird bald ein Ende finden. Der stationäre Handel wird wieder stark. Der Grund ist derselbe, aus dem auch die Südeuropäer ihr Leben in den Straßen verbringen: Es gibt einfach mehr zu erleben als im Internet.

Eingeschlagene Schaufenster, Stillstand auf den Rolltreppen, Springbrunnen, aus denen Unkraut wächst: Die Bilder verlassener amerikanischer Shopping Malls stehen synonym für den kolossalen Sieg des Online-Handels über das stationäre Geschäft. Glaubt man aktuellen Prognosen, kann man davon ausgehen, dass die deutschen Einkaufsstraßen in zehn Jahren genauso aussehen, die Geschäfte zum Erliegen gekommen sein werden.

Ich glaube das nicht.

Dinge sind schöner, wenn man sie teilt

Online-Shopping: Automatisierung und Regulierung

Alle Einkaufsprozesse, die durch Automatisierung wirklich schlau und sinnvoll vereinfacht werden können, werden die Konsumenten zukünftig an Algorithmen auslagern. Sei es die turnusmäßige Nachbestellung von Drogerieartikeln oder die antizipative Lebensmittellieferung für Menschen in infrastrukturell schwachen Regionen. Das bedeutet nicht, dass der Amazon-Zalando-Overkill von heute fortgesetzt wird. Die Leute werden aufhören, 10 Mäntel in 2 Größen und 5 Farben zu bestellen. Nur, um dann Berge an Müll zu entsorgen und alles wieder zur Post zu schleppen. Selbst dann nicht, wenn der Lieferdienst zum Abholen vorbei kommt – unsere grüne Erziehung lässt grüßen.

Die aktuelle Anything-Goes-Konsum-Mentalität wird ein Ende finden. Teils aufgrund eines gestiegenen Bewusstseins für die ökonomischen und ökologischen Schäden, die der aktuelle Logistik-Wahnsinn mit sich bringt. Teils, weil ich fest damit rechne, dass es einfach regulatorische Roadblocks geben wird: Strafzölle, Gebühren, Liefer-Steuern.

Offline-Shopping: Fragmentierung und Erlebnis

Schaut man sich die Ladenfassaden der Innenstädte und diverser Shopping-Center an, findet man schönsten Einheitsbrei. In Berlin werden ganze Straßenzüge von den verschiedenen Töchtern der H&M-Gruppe bewirtschaftet. In den Malls findet man die immer gleichen Retailer. Natürlich ist das total langweilig. Natürlich können die Leute auch gleich online shoppen, wenn es eh überall das Gleiche gibt.

Aber das wird sich drehen, zumindest in Teilen: Es wird einen Trend zu fragmentierteren Einkaufs- und Ladenstrukturen in den Innenstädten geben, durch die Offline-Shopping wieder zum Erlebnis und zur attraktiven Freizeitbeschäftigung aufsteigt. Die Südeuropäer machen es vor (beziehungsweise haben es einfach nie anders gemacht). Dort spielt sich das Leben auf der Straße ab und es gibt eine ganz andere Konsumkultur. In Neapel zum Beispiel ist Einkaufen eine Entdeckungsreise durch viele kleine, unabhängige Geschäfte. Nicht perfekt durchgestylt, auch nicht „convenient“ oder gar „seamless“, aber spannend, inspirierend und irgendwie bereichernd: anfassen, probieren, anziehen.

Auch die deutschen Innenstädte werden sich in den kommenden zehn Jahren wieder mehr in diese Richtung bewegen. Schlaue Händler werden das perfekte Einkaufserlebnis neu definieren und in die Herzen der Menschen bringen. Sie werden Sollbruchstellen und Defizite nutzen (und erzeugen), die explizite Interaktionen, Halte- und Servicemomente zwischen ihnen und ihren Kunden schaffen. Richtig eingesetzt, werden diese Reibungspunkte Kunden dazu bringen, den Aufpreis für echte Beratung zu zahlen und eine Loyalität zur Marke aufzubauen. Den Preiskampf mit den Online-Riesen können die physischen Geschäfte einfach nicht gewinnen. Ihre einzige Chance besteht darin, einkaufen zum echten Erlebnis zu machen. Und sie werden sie ergreifen.

Wir nennen diese Strategie „perfectly imperfect“. Und wir glauben daran, dass sie Einkaufs-, Service- und Customer-Care-Strategien und damit langfristig auch die Markenführung revolutionieren wird.

Autor: Alexander Kiock

Dinge sind schöner, wenn man sie teilt


Weitere Beiträge

diffferent - Hans & Marie

Hans & Marie

Alles dreht sich ständig um Digitalisierung, Marken, Innovation. Aber was haben wir am Ende davon? Rein menschlich? Diese Frage treibt uns um und ist es höchste Zeit, einmal über die Glücksmomente nachzudenken, die unterm Strich doch bei unserer Arbeit für alle Beteiligten geschaffen werden sollten.

mehr zu Hans & Marie
diffferent - Die Digitalisierung, der Mensch und das Lebensglück

Die Digitalisierung, der Mensch und das Lebensglück

Das große Mantra der Digitalisierung ist die Vereinfachung und ‚Erlösung‘ von Strapazen. Aber gehören Überforderung, Schmerz und Widerstand nicht auch zu unserem Menschsein?

mehr zu Digitalisierung und Glück
diffferent - Work & Travel 2018: You know what sucks

Work & Travel 2018: You know what sucks

Wir verkaufen Innovationsprozesse. Dafür müssen wir selbst inspiriert sein und innovative Arbeitsweisen an den Tag legen. Deshalb schickt diffferent regelmäßig Kollegen zum Work & Travel – raus aus dem Alltag, weg vom Büro, hin zu neuen Impulsen und frischen Ideen.

mehr zu Work & Travel
diffferent - Whitepaper: Bridging the Death Valley of Innovation

Whitepaper: Bridging the Death Valley of Innovation

Technologische Innovationen werden gerade gehypt, wie lange nicht. Tech-Shows wie die CES werden medial begleitet wie internationale Sport-Highlights. Doch wie schafft man den Sprung vom Hype zum Business Case? Von der Nische zur Breitenrelevanz? Vom Silicon Valley ins Bodetal im Harz?

mehr zum Whitepaper
voriger Artikel
Work & Travel 2018: You know what sucks
nächster Artikel
Whitepaper: Bridging the Death Valley of Innovatio...

nach oben